Tag 75: Lockdown als Chance

“The pursuit of happiness”, also das Streben nach Glück, ist ein verbrieftes Grundrecht in der US-amerikanischen Verfassung und auch wir hier in Deutschland streben danach. Ich kenne eigentlich keinen Menschen, der nicht danach strebt. Momentan erleben wir im Zuge der andauernden Corona-Lockdowns eine drastische Einschränkung unserer Möglichkeiten, dieses Streben auszuüben. Wir dürfen nicht mehr reisen, nicht mit anderen Menschen zusammen kommen, unsere Ideen nicht offen austauschen, fallen der staatlichen Zensur anheim, werden in unserer Freiheit und unseren Grundrechten massiv eingeschränkt. Das alles passiert weltweit und es ist kein Ende in Sicht. Die Rückkehr zu dem, was wir als “normales Leben” kennen, scheint unmöglich geworden zu sein. Und das hat vielleicht auch sein Gutes.

Als Folge dieser weltweit durchgesetzten Einschränkungen stellt sich für mich immer wieder die Frage: welchen Wert hat ein Leben mit solchen Einschränkungen noch für mich? Ist ein Leben, welches von den Behörden so radikal eingeschränkt wird, wie wir es momentan erleben, überhaupt noch lebenswert für mich? Kann ich mich damit abfinden nur noch auf Anweisung von Behörden leben zu dürfen? Macht es Sinn, so ein Leben zu akzeptieren?

Diese Fragen tauchen immer wieder auf. Und die Antwort liegt nahe, auch wenn sie nicht gerade eine angenehme Antwort ist. Denn wie Terence McKenna schon sagte: “The problem is not to find the answer, it is to face the answer”. Und welche Antwort wäre das, der ich hier gegenüber treten muss? Es ist folgende: “Nein, es ist nicht okay für mich, ein Leben mit derartigen Einschränkungen zu leben. Nein, es ist nicht okay, dies zu akzeptieren, den Mund zu halten, und stillschweigen zu gehorchen. Nein, es ist nicht okay, sich von den Behörden das eigene Leben wegnehmen zu lassen.”

Diese Antworten umsetzen und leben zu können bedeutet Gefahr. Denn die Behörden nehmen eine Nicht-Beachtung oder Übertretung ihrer unsinnigen Einschränkungen nicht hin. Sie drohen mit empfindlichen Strafen und das schockt mich. Damit stellt sich natürlich die Frage inwieweit ich bereit bin für meine Überzeugungen einzutreten und mich als Mensch gegen diese Anordnungen zu stellen. Welche Konsequenzen bin ich bereit anzunehmen? Was ist, wenn mich Widerstand finanziell ruiniert? Was ist wenn ich weg gesperrt werde? Dann bin ich sicherlich keine Hilfe für irgend jemanden mehr. Aber wenn ich alles widerstandslos hinnehme bin ich keine Hilfe für irgend jemanden. Also was ich auch tue, es ist immer falsch. Es scheint keinen Ausweg zu geben.

Diese Ausweglosigkeit ist mein ständiger Wegbegleiter. Ich finde keinen Ausweg. Als Resultat ziehe ich mich in mich selber zurück, verkrieche mich, und leide unter der Situation. Das geht soweit, dass ich oft an den Tod als einzigen Ausweg denke. Allerdings ist mir auch klar, dass mit dem Freitod nicht erreicht wird, ja das eventuell nicht einmal mein Leiden damit aufhört, sondern in der nächsten Inkarnation dann alles nur noch schlimmer wird. Es gibt also keinen Ausweg außer der Flucht nach vorne. Ich muss etwas tun. Und was ich tun muss ist, zu meinen Ansichten zu stehen, so falsch sie auch sein mögen. Denn es sind meine Ansichten und meine Überzeugungen und deswegen muss ich sie auch leben. Ich kann nicht das Leben anderer Menschen leben. Auch nicht das Leben, das mir die Behörden aufzwingen wollen. Das kann ich nicht akzeptieren. Und wenn ich sogar den Tod akzeptieren kann, dann sicher auch den authentischen Widerstand gegen diese irrsinnigen behördlichen Anordnungen.

Manchmal fühle ich mich stark genug, in den Widerstand zu gehen. Aber sehr oft eben auch nicht. Sehr oft bringe ich nicht den Mut oder die Energie auf, für mich und meine Überzeugungen einzutreten, sie anderen mitzuteilen, oder mich ihnen entsprechend zu verhalten. Und diese Unfähigkeit trifft mich härter als alle behördlichen Anordnungen. Meine eigene Feigheit ist es, die mich fertig macht. Und sie wird mir im Zuge der lockdowns ständig vor Augen geführt. Das ist kaum auszuhalten.

  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, im Zuge der lockdowns Gefühle von Ausweglosigkeit, Mutlosigkeit, Feigheit und Energielosigkeit zu spüren.
  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, in diesen Gefühlen zu baden und sie zuzulassen.
  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, mich diesen Gefühlen hinzugeben und sie dann als unabänderlich zu definieren.
  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, diese Gefühle in mir wieder und wieder zu erzeugen um dann in alte Verhaltensmuster verfallen zu dürfen, um sie verdrängen zu können (Alkoholismus, Sex, Filme anschauen, Surfen im Internet, sinnlose Diskussionen im Netz führen, in Büchern und bei spirituellen Lehrern nach Weisheit und Wahrheit zu suchen, etc.)
  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, meine Erkenntnisse als “ausweglos” zu definieren, sie dadurch abzulehnen, nur um meine mir vertrauten Verhaltensmuster weiter ausleben zu können. Denn es gibt ja keinen Ausweg, also darf ich weiter betäuben und mich weiter dem “pursuit of happiness” hingeben.
  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, mir meine eigene illusorische Welt wieder und wieder neu zu schaffen und damit eine Rechtfertigung für mein sündiges Verhalten zu geben und aufrecht zu halten.
  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, Ausreden zu finden, um mich nicht ändern zu müssen.
  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, Ausreden zu finden, um nicht das tun zu müssen und dürfen, was ich selbst als richtig erkannt habe, weil es gegen meine Erziehung und Prägung wirkt.
  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, mich weiter von meinen Prägungen und Gewohnheiten leiten zu lassen obwohl ich merke, dass sie nicht mehr für mich funktionieren.
  • Ich verpflichte mich für meine Überzeugungen einzutreten, mit Worten und Taten, auch wenn sie vielleicht nur eine Momentaufnahme darstellen und keine Gültigkeit für die Ewigkeit besitzen.
  • Ich verpflichte mich meine Gedanken zu erforschen um festzustellen ob sie aus Prägungen und Gewohnheiten geboren sind oder als Reaktion auf die momentanen Umstände.
  • Ich verpflichte mich meine Gedanke, Worte, und Taten anhand der aktuellen Situation auf das auszurichten, was ich als richtig empfinde, auch wenn und gerade wenn es meinen Gewohnheiten und Prägungen entgegen steht.
  • Ich verpflichte mich nicht von der Angst darüber leiten zu lassen, was andere und insbesondere die Behörden über mich denken könnten, wenn ich nach meinen Überzeugungen handele.
  • Ich verpflichte mich authentisch zu sein und meine Gedanke, Gefühle, und Empfindungen gegenüber anderen uneingeschränkt zu äußern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.