Tag 76: Das Leben braucht keine Erlaubnisscheine, das Leben braucht Veränderung

Ich bin heute morgen ausgeschlafen aufgewacht und wollte mich gleich ans Schreiben setzten. Ich wusste zwar nicht über was ich schreiben wollte, aber ich wollte einfach schreiben. Doch bevor ich die ersten Zeilen tippe begann ich schon wieder darüber nachzudenken, ob das Schreiben überhaupt Sinn mach würde, wenn ich noch nicht einmal wusste, worüber ich überhaupt Schreiben wollte oder welchen Punkt ich in meinem Schreiben machen wollte. Ich stoppte diesen Prozess dann und begann zu schreiben.

Nun, über was ich hier schreibe und was mir auch die ganze Zeit über im Hinterkopf herum geistert sind in der Tat ja einfach nur Gedanken. Gedanken, die ich, warum auch immer, in Worte fassen und zu Papier bringen möchte. Gestern gab es andere Gedanken als heute. Gestern wollte ich mit dem Schreiben meines Ahnenbuchs beginnen. Heute möchte ich über ganz andere Dinge schreiben.

Mir fällt auf, dass ich häufig und in kurzen Abständen durch emotionale Hochs und Tiefs gehe, wobei die Tiefs immer häufiger auftreten und tiefer werden, während die Hochs eigentlich kaum noch auftreten und wenn, dann nur kurz und schwach. Heute ist so ein Hoch da. Ich kann schreiben. Häufig geht das nicht, weil meine Energie zu niedrig ist, mich depressive Gedanken umfangen, und mir der Sinn des Schreibens, nicht klar werden will. Anstatt zu schreiben liege ich dann einfach nur im Bett und schaue mir Videos und Vorträge an in der Hoffnung irgendwo einen Impuls, einen Gedanken, aufgreifen zu können, der mich zum Schreiben animiert. Aber heute begann ich ohne einen solchen externen Impuls mit dem Schreiben. Heute lies ich meine störenden Gedanken beiseite und begann einfach.

Oft hindern mich meine Gedanken am Schreiben. Mit Gedanken wie “was nützt mein Schreiben schon, wenn erst ein externer Impuls dazu nötig ist, dass ich mit dem Schreiben beginne? Habe ich nichts eigenes zu sagen, keinen Punkt zu machen? Wieso sollte ich überhaupt Schreiben, wenn ich dazu erst einen Impuls von außen, einen externen Stimulus, dazu benötige. Das ist doch eine Re-Aktion. Habe ich selber denn gar nichts sinnvolles zu sagen oder zu schreiben? Schreiben als Re-Aktion ist doch sinnlos, denn sie geht ja nicht von mir aus. Und was nützt sinnlose, eine rein re-aktive Aktivität? Eine Aktivität die nur dazu dient, die eigene Langeweile oder die quälenden Gedanken abzustellen?” Solche und ähnliche Gedanken halten mich meist vom Schreiben ab. Aber dieses Schreiben hier und heute startete auf andere Weise. Ich überlegte mir nicht erst lange, welchen Punkt ich machen wollte. Ich folgte einfach meinem inneren Impuls zum schreiben, der es mir erlaubte meine quälenden Gedanken nieder zu schreiben, und die erneut aufkeimende Langeweile zu töten. Ich wollte mich einfach ablenken, bevor mich möglicherweise wieder depressive Gedanken umfangen würden. Also begann ich einfach zu Schreiben. Ohne Konzept, ohne Plan, ohne den Wunsch einen Punkt zu machen.

Das Schreiben erleichtert. Es erlaubt mir meine angestaute Energie los zu werden. Ich habe sonst wenig Möglichkeiten dazu. Die hätte ich zwar schon, denn ich könnte hinaus in den Wald gehen oder noch besser im Garten arbeiten, was ich beides für sehr viel sinnvoller halte, als hier meine ungefilterten Gedanken nieder zu schreiben. Was ich aber immer wieder spüre, wenn ich körperliche Arbeit verrichte, also im Wald Pilze suchen gehe oder im Garten arbeite ist, dass ich meine Gedanken dadurch eben nicht los werde. Außer natürlich für die Zeit in der ich aktiv bin und meine Fokus auf dem Pilze suchen oder der Gartenarbeit liegt. Aber danach sind die Gedanken wieder da und sogar stärker als vorher. Denn inzwischen haben sie sich angestaut. Und dieser Gedankenstau wird mit jedem Tag an dem ich nicht schreibe stärker.

Das war besonders schlimm während der Jahre auf dem Segelboot. Dort hatte ich nie Zeit für mich, war nie allein, kam nie zur Ruhe. Und auch wenn ich mal ein paar Stunden Zeit für mich hatte, dann fehlte mir die Ruhe zum Schreiben oder wir hatten keinen Strom, kein Internet, etc. Das führte dann dazu, dass ich das Segeln nach wenigen Jahren sogar wieder aufgab. Der Drang für mich allein zu bleiben und mich mit meinem Gedanken und meinem inneren Wesen zu beschäftigen war übermächtig geworden. Ich musste raus, weg vom Boot, und tat das dann auch.

Allerdings kam ich auch in der Zeit danach nicht viel zum Schreiben. Ich zog fast zwei Jahre mit dem Wohnmobil kreuz quer durch Europa um einen ruhigen Platz zu finden, an dem ich endlich befreit Schreiben konnte. Dazu wollte ich zum Ausgleicht etwas Bewegung haben, zum Beispiel durch Gartenarbeit und Selbstversorgung, was mir sogar auch finanziell helfen würde. In Kommunen und bei workaway hosts fand ich die Ruhe, die ich suchte auch nicht. Dort war zu viel Fremdeinfluss vorhanden, auf den ich mich nicht einstellen konnte. Ruhe fand ich erst auf diesem günstigen Stellplatz auf dem Campingplatz, wo ich sogar freies Internet habe. Und kurz darauf fand ich sogar zwei Gärten, einen Pachtgarten, verwildert und vermüllt, und einen Eigentumsgarten, mit netten Nachbarn und einer kleinen Hütte, auf dem auch jetzt die Yurte steht.

Ich habe in den Gärten bisher nicht viel gearbeitet. Ich hatte einfach keine Lust, wollte meine Ruhe, tat nur das nötigste. Und wenn ich hier sitze, im Wohnwagen, wo es jetzt durch den Lockdown und den Winter sehr ruhig geworden ist, dann fällt mir oft die Decke auf den Kopf.

Ich schaffe es selten die in mir angestaute Energie hinaus zu lassen, indem ich einfach schreibe. So wie jetzt. Denn ich habe immer den Anspruch mein Schreiben mit Sinn zu füllen. Genau wie ich mein Leben mit Sinn füllen möchte. Denn es gibt soviel sinnloses auf der Welt und ich möchte da nicht mitmachen. Andererseits ist mein Schreiben heute gefühlt ohne jeden Sinn. Und dennoch gibt es mir Kraft und Ruhe und Ausgeglichenheit in dieser immer verrückter werdenden Welt.  Ich überlege nun, was ich mit diesen Zeilen anfangen soll. Soll ich sie veröffentlichen? Soll ich einen Reise-ins-Leben Beitrag daraus machen? Soll ich ihm Struktur und eine Aussage geben? Vielleicht sogar eine Verpflichtungs-Aussage damit verbinden? Oder ihn einfach verwerfen, weil es ein sinnloser Beitrag ist?

Wenn ich an die bei Desteni geforderte Verpflichtungs-Aussage denke, dann verliere ich fast die Lust am Schreiben. Dann kommt mein Kopf ins Spiel und das Schreiben scheint seinen intrinsischen Wert zu verlieren. Allein das Bestreben dem Schreiben ein Ziel, einen Sinn, zu verleihen, verändert es. Es wird kopflastig, fliesst nicht mehr, hat ein Absicht. Und diese Absicht entstammt Desteni. Ich fand die Selbst-Vergebungs-Aussagen und die Klarheit in vielen der Desteni blogs, besonders in „Creations Journey to Life“ sehr aufschlussreich. Das ging sogar soweit, dass ich Teile davon ins Deutsche übersetzen und auf einem blog in einer eigens dafür gekauften Domain veröffentlichen wollte.

Was mich jedoch davon in der gleichen Weise abhielt wie es mich vom ungefilterten Schreiben abhält, also zum Beispiel vom ungefilterten und absichtslosen niederschreiben gerade auch dieser Gedanken hier, die ich gerade jetzt in diesem Beitrag nieder schreibe, war die gefühlte Sinnlosigkeit des Schreibens. Denn wer würde das Geschriebene schon lesen, wenn es ohne einen Punkt zu machen daher käme, als geistiger Dünnschiss, wie in so vielen anderen blogs, die auch keinen Punkt machen? Und wenn ich es einfach nur für mich nieder schriebe, wäre das dann „das-Beste-für-alle“? Oder wäre es nicht besser, meine Zeit anders zu verbringen, sodass sie besser-für-alle eingesetzt wäre? Also zum Beispiel im Garten arbeiten? Halt etwas sinnvolleres zu tun, als solchen „geistigen Dünnschiss“ aufzuschreiben und dann auch noch zu veröffentlichen?

Ich muss zugeben, dass der Gedanke daran möglicherweise „geistigen Dünnschiss“ zu schreiben, mich oft davon abhält, meine Gedanken in Worte zu fassen. Aber muss denn wirklich alles Sinn haben? Und wie definiere ich „Sinn“ überhaupt? Ist es sinnvoll, etwas für andere zu tun? Ist es sinnvoll die Zeit mit der Vorbereitung auf katastrophenartige Zustände zu verbringen? Ist es sinnvoll, für das eigene Überleben zu sorgen und sich auf harte Zeiten vorzubereiten? Ist es sinnvoll, die Ersparnisse zu sichern, sie gut anzulegen, zum Beispiel durch Landkauf im Ausland?

Mein Intellekt, oder besser meine Prägung, würde wohl diese Dinge als sinnvoll betrachten. Aber sind sie es wirklich? Ist es menschlich immer nur an den Sinn und den eigenen Vorteil zu denken? Ich glaube nicht, dass das sinnvoll ist. Denn es entfremdet uns von uns selbst. Und ich denke hier liegt ein großes Problem der Menschheit. Wir werden zunehmend unmenschlicher in unserem Wunsch sinnvolles zu tun.

Gedanken an Sinn sind vermutlich nicht immer nur schlecht. Aber ich habe zunehmen den Eindruck, dass sie mich von mir selber entfernen und meine inneren Impulse, wie zum Beispiel den zu schreiben – auch wenn es eben keinen Sinn macht – zu unterdrücken. Ich möchte schreiben. Auch dann, wenn es vielleicht gerade mal keinen Sinn macht.

Im Endeffekt ist die Sinnfrage ja sowieso recht nutzlos. Denn sie endet immer irgendwann mit der Frage nach dem Sinn des Lebens. Und den kann niemand definieren. Denn jedes Leben endet mit dem Tod, mit alles vergeht. Und zwischen Geburt und Tod durchlaufen die meisten Menschen eine lange Phase von Unsicherheit, Manipulation, Konfusion, und Kampf, die nicht selten damit endet, dass sich die Menschen auf nutzlose, gefährliche, oder zerstörerische Aktivitäten einlassen, oder dazu mehr oder weniger gezwungen werden. Und zu diesen nutzlosen, gefährlichen und zerstörerischen Aktivitäten zähle ich nicht nur alle Taten, die die Natur zerstören (Auto fahren, fliegen, Müll und Gifte produzieren, Wasser, Luft und Boden zu verseuchen, Tiere und Pflanzen domestizieren, züchten, und zum Verzehr töten), sondern auch all jene Tätigkeiten, die unseren Geist und unsere Seele töten. Also solche Tätigkeiten unterbinden, die eben sinnlos erscheinen, aber trotzdem Freude bringen. Wie zum Beispiel Lachen, Tanzen, Singen, oder eben auch Schreiben (ich bin nun mal niemand der gern lacht, singt, oder tanzt).

Und ganz abgesehen davon ob uns eine Tätigkeit oder ein Verhalten sinnvoll erscheint, welchen Effekt hat sie denn auf die Welt? Ist sie auch im Hinblick auf die Welt als Ganzes und alles Leben darin immer noch sinnvoll? In der Regel ist das nicht der Fall. Wir mögen unserem Leben gern einen selbst-definierten Sinn geben und sagen dann „für mich ist es aber sinnvoll, x und y zu tun“. Und damit haben wir uns eine Rechtfertigung für unser Verhalten geschaffen, uns einen “Erlaubnisschein” für unser Denken und Handeln ausgestellt, wie BASHAR es nennen würde. Mit welcher Rechtfertigung auch immer wir daher kommen, für uns ist sie stimmig (und das muss sie sein), denn wir erschaffen uns diese Erlaubnisscheine, diese Rechtfertigungen, indem wir sie aufgrund unserer Erfahrung als „sinnvoll, richtig und wahr”, eben „auf Erfahrung oder Wissen basierend“, definieren. Das tun Wissenschaftler (sie haben es ja erforscht und kennen die Fakten) genauso wie Soldaten (schließlich helfen sie die Welt von Unheil zu befreien) oder auch religiöse oder spirituelle Menschen, die „Wissen, dass es Gottes Wille oder der Wille des Universums ist“. Aus der jeweiligen Perspektive macht es dann Sinn – aus einer anderen aber nicht. Und selbst ich tue gerade genau das gleiche, indem ich versuche, mein sinnloses Schreiben auf eine Grundlage zu stellen, die es mir erlaubt, mir also einen Erlaubnisschein dafür ausstellt, zu Schreiben auch wenn es keinen weiteren Sinn hat, sondern einfach nur Befriedigung und ein Gefühl für das Menschsein in mir erzeugt.

Aber ist das wirklich „das-Beste-für-alle“. Und wieso muss ich überhaupt immer an das-Beste-für-alle denken und kann es nicht einfach ignorieren und mal etwas sinnloses tun? Etwas so sinnloses, dass es nicht einmal mir selber hilft besser in dieser Welt klar zu kommen oder etwas sinnvolles für meine eigene Zukunft zu tun? Warum kann ich das nicht.

Natürlich kenne ich die Argumente in denen gesagt wird, dass wir gar nicht wissen können, ob eine scheinbare sinnlose Aktivität nicht doch einen Sinn haben kann. Denn niemand kann in die Zukunft sehen und wer weiß, vielleicht findet ja doch jemand Gefallen an meinen Worten, spendiert mir einen Kaffee, oder bietet mir sogar einen Job an, weil ihm mein Schreiben gefällt. Natürlich kann das niemand wissen. Auch das ist theoretisch möglich. Aber es ist auch nur ein Erlaubnisschein für mich, sinnlose Artikel wie diesen hier zu produzieren anstatt meine Zeit sinnvoller zu verbringen.

Und ich kann es drehen wie ich will: Ich erzeuge mir ständig genau die Erlaubnisscheine, die ich brauche, um das zu tun, was ich tun WILL. Mit Worten und Gedanke wie „ich kann nicht ….“, „ich muss jetzt ….“ erzeuge ich diese Erlaubnisscheine auch ohne die Notwendigkeit, sie immer mit logischen schlussfolgernden Gedankengängen beleben oder rechtfertigen zu müssen. Gegen das Argument „ich kann einfach nicht xy, sondern ich muss erst abc …..“ hebele ich jedes Gegenargument aus.

Und schon wieder drehe ich mich im Kreis. Denn das bisher Gesagte, dieser ganze bisherige Text, ist genauso nutzlos, wie ein Furz im Walde. Und trotzdem habe ich ihn geschrieben. Und ich fühle mich gut dabei. Reicht das als Grund? Oder bin ich gedanklich schon so weit fremd-gesteuert, das ich den Gedanken an „was-ist-das-Beste-für-alle“ nicht wieder los werden kann?

Wenn ich aber ständig nur daran denke, was denn „das-Beste-für-alle“ überhaupt in dieser Situation jetzt wäre oder sein könnte, ist das dann „das-Beste-für-alle“? Oder könnte ich, anstatt darüber zu sinnieren was „das-Beste-für-alle“ sein könnte, einfach das tun, was ich in dieser Situation als „das-Beste-für-alle“ betrachte? Und da niemand hier ist außer mir, ist „das-Beste-für-alle“ im Moment „das-Beste-für-mich“. Es betrifft ja sonst niemanden.

Natürlich erzeuge ich mir mit so einer Argumentation wieder nur einen neuen Erlaubnisschein der einfach darin besteht, mich jetzt nicht um „das-Beste-für-alle“ kümmern zu müssen. Ich definiere gerade das, was ich gerade tue, „als-das-Beste-für-alle“. Etwas besseres fällt mir nämlich gerade nicht ein.

So kann ich leicht aus meiner derzeitigen Situation heraus argumentieren, dass es „das-Beste-für-alle“ ist, wenn ich erst einmal selber zu mehr Klarheit darüber komme, was denn überhaupt „das-Beste-für-alle“ wäre. Und mit diesem Erlaubnisschein kann ich mich meinem Schreiben hingeben, welches meine Gedanken für mich und andere klarer machen soll, sodass wir herausfinden, was denn überhaupt „das-Beste-für-alle“ sein könnte. Oder ich könnte argumentieren, dass es „das-Beste-für-alle“ wäre, wenn ich jetzt ein Schläfchen mache, um meinen Kopf klar zu bekommen und klarere Gedanken darüber zu entwickeln, was denn „das-Beste-für-alle“ wäre. Oder ich könnte argumentieren, dass es „das-Beste-für-alle“ wäre, wenn ich endlich mit solch sinnlosen Gedankengängen Schluss mache, die zu nichts führen, und stattdessen einen Plan mache, was ich morgen im Garten tun könnte, um nächstes Jahr dort gesunde Nahrungsmittel für mich und meine Mitmenschen zu produzieren. Oder ich könnte argumentieren, das es das-Beste-für-alle wäre, wenn ich schleunigst Deutschland verlasse und mir solange es noch geht ein großes Grundstück in Spanien oder Sizilien kaufe.

Es gibt Tausende und Aber-Tausende von Möglichkeiten “das-Beste-für-alle” zu definieren und zu begründen. Ja sogar Millionen und Milliarden von Möglichkeiten. Denn jeder einzelne von uns würde das-Beste-für-alle aus seinem Umfeld und seiner Prägung heraus anders definieren. Also ist es ziemlich sinnlos sich darüber zu streiten, was-das-Beste-für-alle sein könnte. Jeder sieht das anders.

Aber ist es auch sinnlos, sich eigene Gedanken darüber zu machen, was “das-Beste-für-alle” ist? Wäre das nicht sogar sinnvoller, als in unreflektierten Aktionismus, in unausgegorenes Schreiben, zu verfallen? Was ist MEINE Antwort auf diese Frage? Nur darum geht es doch in den Reise-ins-Leben blogs. Um die Frage danach, was-das-Beste-für-alle aus MEINER individuellen Sicht ist und die Frage danach, warum ich dem nicht nachgehe und mir stattdessen immer und immer wieder Erlaubnisscheine generiere, die mir eben gerad erlauben genau das nicht tun zu müssen, was ich als das-Beste-für-alle erkannt habe, oder die mir sogar erlauben die Frage nach dem was das-Beste-für-alle sein könnte ganz aufzugeben.

Aber die Frage danach, was das-Beste-für-alle ist, die bleibt. Sie verschwindet nicht aufgrund von Argumentationen oder selbst generierten Erlaubnisscheinen. Sie ist permanent da. Ich versuche sie zu verdrängen, aber sie kommt immer wieder zurück. Ich kann sie nicht los werden. Aber ich kann auch keine Antwort auf die Frage finden. Da ist nur eine permanente Frage, die nie aufhört zu sein, die sogar an Macht über mich gewinnt, aber die ewig unlösbar bleibt. Genauso unlösbar wie die Frage nach dem Sinn des Lebens. Ich befinde mich in einem Mysterium, welches eine Antwort zu finden nicht zulässt, welches aber gleichzeitig dringend eine Antwort fordert. Sie sogar so stark fordert, dass daneben keine anderen Gedanken mehr Platz haben. Sie entwickelt sich zu einer alles dominierenden Frage. Zu einer Frage, deren Beantwortung mysteriöser Weise in immer weitere Ferne rückt, je stärker sie wird. Je präsenter die Frage wird, um so mehr entschwindet die Antwort. Was für ein Scheiß.

Es ist so, dass ich bei der Suche nach Sinn (die Frage nach dem Sinn des Lebens oder was das-Beste-für-alle ist) immer wieder vor die Wand laufe. Und diese Wand ist unüberwindbar. Manchmal gehe ich an der Wand entlang, oder ich entferne mich von ihr. Und dann finde ich anscheinend doch manchmal eine Antwort irgendwo im nirgendwo, nur um dann fest zu stellen, dass ich mich nur im Kreis gedreht habe und diese Antwort genauso wenig hilft, wie alle anderen zuvor. Diese Wand existiert überall um mich herum. Sie ist überall und umschließt mich. Sie umgibt mich in allen Richtungen. So als ob ich in einer Kugel wäre, in deren innerem ich mich befinden und die von einer starken undurchdringlichen Wand umgeben ist. Und es gibt keinen Weg aus dieser Kugel heraus. Es ist keine empfindliche, transparente, leicht zerplatzende Blase. Nein, es ist eine starre Eisenkugel, in die ich eingeschlossen bin und aus der es kein Entkommen gibt.

Ich weiß zwar auch, oder glaube zu wissen, dass außerhalb dieser Kugel etwas existiert, aber ich kann nicht dorthin. Ich kann mit dem Verstand nicht dorthin. Es gibt für den Verstand keine Möglichkeit die Frage nach dem Sinn des Lebens oder danach, was das-Beste-für-alle ist, zu beantworten. Es kann allenfalls ein sehr temporär begrenzte Antwort, ein kurzfristig für diesen Augenblich gültige Antwort geben, die sich aber schon in dem Moment in dem sie gesehen wird, wieder auflöst. Aber es wird nie ein endgültige, eine ewige Antwort geben können. Denn das Leben ist und bleibt ein Mysterium. Es verändert und ändert sich ständig. Aber auf welcher Grundlage oder in welche Richtung, das bleibt im Verborgenen. Dieses Mysterium werden wir, werde ich, nicht lösen können. Keiner von uns. Alles was wir bei diesem Versuch tun ist, uns immer wieder Erlaubnisscheine auszustellen. Und die Meisten davon dienen dazu uns zu erlauben in unserer Komfortzone verharren zu dürfen. Aber das ist nicht das Leben. Das ist sterben. Das Leben WILL Veränderung. Das Leben IST Veränderung. Jeder Versuch zur Starre, zur Verharrung, zur Immobilität, zur Sicherung, kommt dem Tod gleich. Und da wir Menschen nicht fähig sind, ständig im Fluss des Lebens zu bleiben, weil wir stattdessen versuchen diesen Fluss aufzuhalten, ihn sogar in unsere Richtung zu lenken, sodass uns alle Resourcen zufließen und wir uns nicht mehr bewegen müssen, wie eine Krebszelle die alle Blutgefäße und Nährstoffe zu sich zieht, sterben wir langsam, aber sicher. Erst seelisch, dann geistig, und zuletzt körperlich.

Und ich vermute inzwischen, dass die gegenwärtigen Einschränkungen in Folge der Corona-Krise uns Menschen aufzeigen sollen, dass das Leben nun einen neuen Weg sucht. Einen Weg heraus aus der Starre der letzten 1000 oder gar 10.000 Jahre. Heraus aus der zerstörerischen Dominator-Kultur, an der wir nur festhalten können, wenn wir uns selber zerstören wollen. Und wenn wir das nicht wollen, wenn wir nicht mir ihr untergehen wollen, dann müssen wir alles aufgeben, was uns an diese Kultur bindet.

Und mit dieser Aussage stellt sich für mich die Frage stellen: wie gehe ich jetzt mit dieser Erkenntnis um? Was habe ich mir erlaubt zu akzeptieren und welche Verpflichtung gehe ich mir gegenüber nun ein, um das zu ändern? Wie erlaube ich mir, dem Fluss des Lebens zu folgen, was letztendlich nach meinen soeben dargebrachten Überlegungen ganz natürlich in dem münden muss, was das-Beste-für-alle, also für das Leben selbst, ist? Denn ich habe ja fest gestellt, dass das Leben immer im Fluss ist, wir es nicht intellektuell begreifen können und es ein Mysterium für uns bleiben muss. Dass wir deswegen die Sinnfrage nur in der Weise beantworten können, dass wir diesem Fluss des Lebens, auch wenn wir ihn nicht verstehen, folgen müssen. Und das wir, bzw. ich, alles aufgeben muss, was mich an diese zerstörerische Kultur bindet.

Das ist meine derzeitige Schlussfolgerung.

Das ist es, was ich mir erlaubt und zu glauben akzeptiert habe.

Und es macht Angst. Es klingt nach Selbstmord.

Und dennoch klingt es irgendwie nur intellektuell nach Selbstmord. Anfühlen tut es sich eher wie eine Geburt in ein neues Leben, was auch meist mit Geburtsschmerz, also dem Loslassen des Alten, verbunden ist.

  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, mich vom Schreiben abhalten zu lassen, weil ich es für sinnlos erachtete.
  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, immer erst prüfen zu wollen, ob eine Aktion oder Aktivität Sinn ergibt im Hinblick auf das, was das-Beste-für-alle sein könnte, bevor ich überhaupt aktiv werde.
  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, immer auf meinen Verstand zu hören und ihn zunächst zu befragen, um heraus zu finden, was das-Beste-für-alle sein könnte ohne zu erkennen, dass der Verstand durch vielfältigste und tiefe unbewusste Prägungen in alten Mustern gefangen gehalten ist und somit unmöglich erkennen kann, was das-Beste-für-alle ist.
  • Ich vergebe mir, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe meine Gefühle und meine Intuition zu unterdrücken, um meinem Versand immer und immer wieder auf seinen sich in endlosen Kreisen bewegenden Irrwegen zu folgen.
  • Ich verpflichte mich, mich nicht mehr von meinem Verstand kontrollieren zu lassen.
  • Ich verpflichte mich, mich weiter von meinen mich bindenden kulturellen Zwängen zu befreien.
  • Ich verpflichte mich mein Augenmerk auf die Zukunft zu richten, die sich für mich lebenswert anfühlt, anstatt mich von Regeln einzwängen zu lassen, die mich daran hindern, einer solchen Zukunft entgegen zu streben.

Ein Kommentar:

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