Tag 57: Ist die Frage nach dem Sinn des Lebens nur eine Ego-Falle?

Durch eine neue Begegnung im Internet bin ich erneut auf einen alten und fast vergessenen Gedanken aufmerksam geworden, der mich vor Jahren schon einmal länger beschäftigt hatte. Es geht darum, dass mich dieser Mensch, und vor Jahren schonmal jemand anders in ganz ähnlicher Weise, durch ihr Wesen auf transzendentale Phänomene aufmerksam macht. So zum Beispiel auf die Existenz von höheren Anteilen meines eigenen Selbst, aufgestiegenen Meistern, Erzengeln, oder einfach Wesenheiten aus anderen Dimensionen. Vor Jahren, als ich das erste Mal mit diesen sogenannten “Helfern” in Berührung kam, wurde mir vorgeschlagen ihre Hilfe anzufordern und sie anzunehmen. Das habe ich damals rundweg abgelehnt, da ich mich weder von sogenannten positiven Kräften noch von irgendwelchen negativen Kräften beeinflussen lassen wollte. Ich wollte selber herausfinden, was wahr ist und was nicht.

Mir wurde ebenso gesagt, dass ich alle Antworten eh schon in mir tragen würde, was ich aber genauso wenig glauben konnte. Das entsprach überhaupt nicht meinem wissenschaftlichen Hintergrund. Wissen konnte man doch nur erlangen von Leuten, die mehr wussten als man selber. Und deswegen studierte ich viele Jahre lang alle nur greifbaren spirituellen Schriften. Was mir nur den Kopf vollmachte, mich aber der Weisheit kein Stück näher brachte.

In der aktuellen Begegnung bin ich nun auch noch darauf hingewiesen worden, dass ich offenbar channeln würde. Das war mir aber so nicht bewusst, auch wenn ich immer sehr deutlich spüre, wie sich beim Schreiben meine Energie ändert und die Worte dann plötzlich ohne viel zu überlegen aufs Papier fließen. Aber das würde ich nicht channeln nennen. Auf die Frage wen oder was ich denn channeln würde und warum, kam auch keine Antwort.

Und das ist der wichtige Punkt, in dem beide Begegnungen, die von damals und die von neulich, überein stimmten. Es kamen Vorschläge, was sein könnte (ich würde channeln oder mit mit aufgestiegenen Meistern in Verbindung treten ….) aber auf konkrete Fragen meinerseits kam keine Antwort. Das machte mich damals so rasend, dass ich den Kontakt mit der Person abbrach. Denn wohin sollte das führen? Es wurden einfach Dinge behauptet und mir Gedanken eingepflanzt, die ich nicht selber auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen konnte und dann wurde ich mit meiner Orientierungslosigkeit und meinen Fragen einfach allein gelassen.

Ganz ähnliches passierte in der aktuellen Begegnung in der mir angedeutet wurde, ich würde channeln wenn ich schreibe. Wieder keine Antwort auf die brennende Frage, wen oder was oder warum ich channeln würde.

Offenbar muss ich das selber heraus finden. Aber wie? Waren, sind, die Antworten tatsächlich schon in mir? Es muss wohl so sein, denn im Außen sind sie ja offenbar auch nicht zu finden. Nur im inneren finde ich sie auch nicht. Ich wäre nur auch nur auf die Idee gekommen ich würde channeln wenn ich schreibe. Wieso aber beschäftigt mich dann die Frage, ob es sein könnte, dass ich tatsächlich channele? Klar, es würde meinem Ego gut tun, wenn das so wäre. Dann hätte ich endlich eine neue Identität und könnte damit hausieren gehen. Schönen Gruß auch von Axel’s Ego. Nein Danke.

Wenn ich nun zu der Frage zurück kehre, warum ich von dem Kontakt meine Fragen darüber beantwortet haben wollte, wen oder was ich channeln würde, dann doch nur weil ich mir nicht erlaube die Antwort darüber in mir selber zu suchen und zu akzeptieren. Es ist so ähnlich wie im Film “die Matrix” als Neo zum Orakel gebracht wird, um heraus zu finden, ob er nun “The One” ist. Und das Orakel sieht in nur an und wartet auf seine Antwort, woraufhin Neo sagte, er sei es nicht. Basta. Was du glaubst, das ist deine Realität. Bis du halt was anderes glaubst.

Nun genau wie bei meinen beiden Begegnungen hat auch das Orakel Neo keine Antwort gegeben. Sie wiesen alle drei darauf hin, dass wir die Antwort in uns selber finden müssen. Tja, da steh ich nun wieder im Regen mit mir ganz allein. Channele ich nun oder nicht?

Es ist allzu leicht, sich mit vorgefertigten Antworten zu begnügen, die uns andere nur zu gerne auf einem silbernen Tablett servieren, und die keinerlei eigenes Nachdenken erfordern. In so einem Verhalten liegt keine Weisheit, sondern nur Abhängigkeit. Weisheit entsteht durch das Suchen und Finden eigener Antworten und deren Validitätsprüfung im täglichen Leben. Die Annahme vorgefertigter Antworten, so schön und richtig sie sich auch anhören und anfühlen mögen, führt zu drei Resultaten: 1.) Man verliert die Fähigkeit, die Antworten selber in sich zu entdecken und zu zu lassen. 2.) Man verliert sein Urteilsvermögen und tendiert schnell dazu, die einfachsten, die am schönsten klingenden, und die am wenigsten mit dem eigenen Weltbild kollidierenden Antworten, zu akzeptieren. 3.) Man wird leichtes Opfer für den Antwort-Geber. Alle drei Resultate führen zu Abhängigkeit und dazu, sich mit anderen und deren Antworten zu identifizieren, anstatt sich selber kennen zu lernen und die eigenen Antworten zu finden.

Der nächste Schritt wäre dann, diese aus uns selber hervor steigenden Antworten auch als authentisch zu akzeptieren, so unbequem und furchtbar sie auch sein mögen. Terence McKenna sagt dazu “the problem is not to find the answer, it is to FACE the answer”, was soviel bedeutet wie “das Problem ist nicht die Antwort zu finden, sondern sie zu akzeptieren und ihr gegenüber zu treten”. Also die Frage aufzuwerfen “wie stelle ich mich in Bezug auf diese Antwort auf? Was werde ich jetzt, da diese Antwort aus mir aufgestiegen ist, damit tun? Werde ich sie ablehnen und nach einer mir angenehmeren Antwort suchen? Oder werde ich sie als ein Teil von mir erkennen, den ich nicht länger unterdrücken und ins Unterbewusstsein verbannen will, von wo aus er mich weiter unbewusst steuert? Erlaube ich mir stattdessen die Antwort anzunehmen, sie bewusst in mein Leben zu integrieren und zuzulassen, dass sie mich etwas über mich lehrt, sodass ich diese Antwort nun ganz bewusst bewerten kann?

Doch warum suche ich überhaupt nach Antworten? Zum Beispiel nach Sinn in meinem Leben, nach einer sinnvollen Tätigkeit? Woher kommt dieser unerbittliche Wunsch einen Sinn in meinem Leben zu finden? Einen unerschütterlichen und dauerhaften Sinn, für den einzutreten es sich auch lohnt? Warum kann ich nicht einfach etwas sinnloses tun? Wie zum Beispiel segeln zu gehen? Wieso kann ich bestimmte Dinge einfach nicht tun? Was hält mich ab?

Wie man oft sagen hört, soll ja die Antwort schon in der Frage verborgen liegen. Und wenn ich genau hinschaue, dann erkenne ich den obigen Fragen auch schon die Antwort. Bei der Sinnfrage suche ich ganz offenbar nach einer Be-lohn-ung. Ich suche nach Lohn, der Frucht meiner Tätigkeit. Eine Tätigkeit wie das Segeln, bringt mir offenbar keinen ausreichenden Lohn mehr. Ich habe so viele schöne Ankerplätze und Häfen, so viele tolle einsame Strände, so viele herrliche Sonnenuntergänge gesehen, so viele Stürme überstanden, dass ich für 10 Leben genug davon habe. Warum sollte ich noch mehr davon wollen? Was bringt es MIR (schöner Gruß vom Ego mal wieder)?

Nein, das Leben geht weiter. Es gibt mehr zu entdecken als das Segeln und fremde Kontinente. Es gibt sinnvolleres zu tun.

Ganz eindeutig steht hier mein eigenes Interesse an neuen Erfahrungen, neuen Erlebnissen, im Vordergrund. Und ich verdecke diese egoistischen Gedanken an den Lohn meiner Tätigkeit mit der Frage nicht nach dem Lohn für mich, sondern nach dem Sinn für mich und diese Welt als Ganzes.

Wenn man es genau nimmt, dann ist die Sinnfrage nur ein “Erlaubnisschein” (BASHAR nennt es “permission slip”) um das zu tun, was ich sowieso tun will. Und damit ich diesen Wunsch nach einer neuen Lebenserfahrung für mich selber auch akzeptieren kann, kleide ich ihn in Begriffe wie die “Suche nach Sinn”, oder “das-Beste-für-Alle”.

Will ich wirklich das-Beste-für-Alle, oder will ich nur das Beste für mich?

Nun schließt die Floskel “das-Beste-für-Alle” mich ja mit ein, sodass hier kein Konflikt mehr entsteht. Wenn ich also das-Beste-für-Alle verfolge, dann tue ich automatisch ja auch das Beste für mich. Wie praktisch Smile Und wie hinterhältig. Das riecht förmlich nach subtilster Ego-Falle.

Und nun muss ich die Channelings von BASHAR (Darryl Anka) mal wieder für ihre Klarheit loben. Denn BASHAR erklärt immer wieder und wieder, dass wir auch gleich das tun können, was wir eh tun wollen. Wir (er)finden sowieso unsere “Erlaubnisscheine” (permission slips) für unsere Rechtfertigung. So suche ich nach Sinn, nach einem Lohn für meine Tätigkeit, und rechtfertige das mit dem Gedanken, “das-Beste-für-Alle” im Sinn zu haben.

Aber es spielt gar keine Rolle, mit welcher Begründung ich meine Tätigkeiten rechtfertige. Wozu brauche ich überhaupt eine Rechtfertigung, einen Erlaubnisschein? Wem gegenüber denn? Muss ich etwa um Erlaubnis fragen das tun zu dürfen, was ich möchte. Muss ich hier etwas beweisen? Muss ich in einem guten Licht dastehen, damit die Menschen meine Beiträge auch mögen und ich viele likes bekomme? Oder genügt es (mir), wenn ich authentisch bin. Uneingeschränkt authentisch mir selber gegenüber. Ohne mir selber und anderen dabei in die Tasche zu lügen?

Die Frage nach dem Sinn ist also genauso sinnlos, wie die Erklärung, das-Beste-für-Alle im Sinn (!) zu haben. Beides sind nur Erlaubnisscheine um das zu tun, was ich eh tun will. Aleister Crowley hat das in seiner Maxime “Tue was du willst soll sein das Ganze Gesetz” (in Magick Without Tears, Original engl.: „Do what thou wilt shall be the whole of the Law.“) schön zusammen gefasst. BASHAR sagt mit seinen “permission slips” im Grunde nichts anderes.

Die Suche nach Antworten ist also im Endeffekt die Suche nach Erlaubnisscheinen. Sobald wir solche Erlaubnisscheine gefunden haben, fühlen wir uns gut, denn jetzt haben wir ENDLICH einen Grund, und zwar einen guten Grund, das tun zu dürfen, was wir tun wollen.

  • Ich (an)erkenne, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, nach “guten Gründen” zu suchen, um das in dieser Welt zu tun, was ich tun möchte.
  • Ich (an)erkenne, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, die Frage nach dem Sinn des Leben als die ultimative Frage zu stellen, die mir eine ultimative Antwort geben würde.
  • Ich (an)erkenne, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, viel Zeit mit der Suche nach Antworten in Bücher, Foren, und bei anderen Menschen zu verbringen, anstatt einfach nur in mich hinein zu hören und das zu akzeptieren und zu leben, was ich dort finde.
  • Ich (an)erkenne, dass ich es akzeptiert und erlaubt habe, mich in ein “gutes authentisches Selbst” und “schlechtes selbstsüchtiges Ego” aufzuspalten ohne zu erkennen dass diese Aufspaltung nur dazu dient, mein schlechten Angewohnheiten dem Ego zuzuschreiben und die guten dem Selbst.
  • Ich verpflichte mich, keine innere Spaltung in Gut und Böse mehr in mir vorzunehmen, sondern das Gute und das Böse als Teil von mir anzunehmen.
  • Ich verpflichte mich, hinter allen Fragen die auftauchen meine ganz authentischen Wünsche zu suchen und sie nicht mehr rechtfertigen und hinter “guten Gründen” und selbstgemachten “Erlaubnisscheinen” zu verstecken.
  • Ich verpflichte mich, meiner wahren Natur Ausdruck zu verleihen, indem ich das tue was ich wünsche, ganz egal ob andere es für Gut oder Böse halten.
  • Ich verpflichte mich, authentisch zu leben.

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